Die Jagd nach Glück macht uns unglücklich: Streben erschöpft und führt zu weniger Freude.
BerlinForscher der University of Toronto Scarborough haben einen Grund für das "Glücksparadoxon" entdeckt – die Idee, dass das Streben nach mehr Glück uns tatsächlich weniger glücklich machen kann. Die Studie von Sam Maglio und Aekyoung Kim zeigt, dass das aktive Streben nach Glück mentale Energie verbraucht. Dadurch bleibt weniger Selbstkontrolle für Entscheidungen übrig, die tatsächlich zu Glück führen könnten. Wenn Menschen sich darauf konzentrieren, glücklicher zu sein, schwinden ihre Willenskraftreserven, was sie anfälliger für Versuchungen macht.
In Experimenten zeigten Teilnehmer, die versuchten, ihr Glück zu steigern, weniger Ausdauer bei Aufgaben und naschten häufiger Schokolade. Dies geschah, weil sowohl das Streben nach Glück als auch die Selbstregulation um begrenzte mentale Ressourcen konkurrieren. Die Forscher raten, das Glück vielmehr aus der Wertschätzung dessen zu schöpfen, was man bereits hat, anstatt ständig mehr erreichen zu wollen. Ständiges Bemühen, glücklich zu sein, kann die geistige Kraft schwinden lassen und letztendlich weniger Glück bringen.
Mentale Ressourcenerschöpfung
Die Studie beleuchtet, wie das Streben nach Glück unsere mentalen Ressourcen belasten kann. Wenn wir uns zu sehr darauf fokussieren, glücklich zu sein, erschöpft uns das mental. Diese Erschöpfung beeinträchtigt unsere Selbstkontrolle. Wir sind anfälliger für Versuchungen durch Dinge, die nicht zu echtem Glück führen. Forscher fanden heraus, dass Menschen, die ständig nach Glück streben, im Alltag weniger Selbstkontrolle ausüben. Dies deutet darauf hin, dass sowohl das Streben nach Glück als auch die Selbstkontrolle aus dem gleichen begrenzten mentalen Energievorrat schöpfen.
Je mehr wir Glück jagen, desto stärker wird unsere mentale Ausdauer in Mitleidenschaft gezogen. Alltägliche Entscheidungen fallen schwerer, weil wir bereits mental von dem Streben nach mehr Glück erschöpft sind. Die Studie zeigt auch, dass schon der Gedanke an Glück einen Zyklus auslösen kann, der uns erschöpfter und impulsiver macht. Zum Beispiel kann das bloße Sehen des Wortes „Glück“ in Werbung diese anstrengende Jagd entfachen.
Die Vorstellung von Glück als etwas, das aktiv verfolgt werden muss, könnte kontraproduktiv sein. Die Studie legt nahe, dass ein zu starkes Streben nach Glück es schwer fassbar macht. Stattdessen könnte Glück besser realisiert werden, indem wir wertschätzen, was wir bereits haben, anstatt ständig nach mehr zu suchen. Zu verstehen, dass Glück nicht jederzeit aktiv angestrebt werden muss, kann dazu beitragen, unsere mentalen Ressourcen zu schonen und ein ausgeglicheneres Wohlbefinden zu fördern. Wenn wir erkennen, wann wir unser Streben nach Glück entspannen sollten, können wir unsere mentale Energie für andere Entscheidungen und Aufgaben aufrechterhalten, die unser Alltagsleben bereichern.
Zukünftige Forschungsrichtungen
Die neue Studie eröffnet zahlreiche Wege für zukünftige Forschung. Ein spannendes Feld ist die Untersuchung, wie unterschiedliche Kulturen Glück empfinden und anstreben. Dabei könnte es sein, dass manche Kulturen andere Prioritäten haben oder anders denken, was wiederum beeinflussen könnte, wie mental belastend die Suche nach Glück für sie ist. Forscher könnten auch herausfinden, ob bestimmte Persönlichkeitsmerkmale Menschen anfälliger für die Erschöpfung durch das Streben nach Glück machen. Diese Feinheiten zu verstehen, könnte helfen, Strategien zur Verbesserung des Wohlbefindens für verschiedene Gruppen maßzuschneidern.
Es wäre wertvoll, zu erforschen, ob bestimmte Techniken oder Praktiken die mentale Belastung verringern könnten, die durch das Streben nach Glück entsteht. Achtsamkeit oder Meditationspraktiken könnten möglicherweise Wege bieten, die Selbstkontrolle zu bewahren und das Glücksniveau aufrechtzuerhalten. Ein weiterer Ansatz wäre, zu untersuchen, wie die Technologie unser Glücksstreben beeinflusst. Mit den sozialen Medien als wesentlichem Bestandteil unseres täglichen Lebens könnte es durchaus sein, dass sie den empfundenen Druck, ständig glücklich sein zu müssen, verstärken. Eine Analyse ihrer Auswirkungen könnte Aufschlüsse darüber geben, wie sich dieser Druck verringern lässt.
Schließlich könnte eine weitere Forschung untersuchen, wie langlebig das Glück wirklich ist. Forscher könnten sich damit befassen, wie nachhaltig Glücksziele über längere Zeiträume sind. Eine Verfolgung von Teilnehmern über Monate oder Jahre könnte offenlegen, ob kurzfristige Bemühungen, glücklich zu sein, andere Auswirkungen auf die mentalen Ressourcen haben als langfristige Strategien. Dies könnte Menschen leiten, sich eher auf beständige Praktiken zu konzentrieren, anstatt auf schnelle Lösungen.
Diese Forschungsperspektiven könnten dazu beitragen, unser Verständnis von Glück zu verfeinern und effektive Wege zu schaffen, um dauerhafte Lebensfreude zu fördern. Je mehr wir lernen, desto praktischer und benutzerfreundlicher könnten die von uns angebotenen Werkzeuge und Ratschläge für das Glücklichsein werden.
Die Studie wird hier veröffentlicht:
https://iaap-journals.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/aphw.70000und seine offizielle Zitation - einschließlich Autoren und Zeitschrift - lautet
Aekyoung Kim, Sam J. Maglio. Happiness depletes me: Seeking happiness impairs limited resources and self‐regulation. Applied Psychology: Health and Well-Being, 2025; 17 (1) DOI: 10.1111/aphw.70000
sowie die entsprechende Nachrichtenreferenz.
12. April 2025 · 16:11
Genetische Fusion als Auslöser für rasantes Wachstum von CML, zeigt Sanger-Studie
Diesen Artikel teilen