Mütter prägen bilingualen Spracherwerb doppelt so stark, zeigt Studie aus Montreal

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Durch Johannes Müller
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BerlinNeue Forschungsarbeiten der Concordia University zeigen, dass Mütter in zweisprachigen Familien doppelt so großen Einfluss auf die Sprachförderung haben wie Väter. Die von Andrea Sander-Montant geleitete Studie hinterfragt den traditionellen Ratschlag zur Ein-Eltern-eine-Sprache-Methode. Forscher fanden heraus, dass viele zweisprachige Familien in Montreal es bevorzugen, wenn beide Elternteile mit ihren Kindern in beiden Sprachen sprechen. Sie analysierten die Antworten von Hunderten von Familien und identifizierten vier Strategien: Ein-Eltern-eine-Sprache, Beide-Eltern-bilingual, Ein-Eltern-bilingual und Eine-Sprache-zuhause. Interessanterweise korrelierten diese Strategien nicht stark mit der tatsächlichen Sprachwahrnehmung der Kinder. Vielmehr zeigte sich, dass Mütter signifikant mehr Einfluss auf die Sprachförderung ausüben als Väter. Dieser Trend war besonders in Haushalten mit einer Herkunftssprache ausgeprägt. Die Forscher vermuten, dass der größere Einfluss der Mütter darauf zurückzuführen ist, dass sie mehr Zeit zu Hause verbringen und möglicherweise kulturelle Erwartungen eine Rolle spielen. Die Studie schlägt vor, Sprachstrategien basierend darauf neu zu formulieren, wer mehr Zeit mit dem Kind verbringt, während dennoch sichergestellt wird, dass beide Sprachen ausreichend gehört werden.

Einfluss der Mütter

Mütter haben einen erheblichen Einfluss auf die Sprachentwicklung ihrer Kinder, insbesondere in zweisprachigen Haushalten. Diese Erkenntnis stellt die bisherige Ansicht infrage, dass das strikte Befolgen der Ein-Elternteil-eine-Sprache-Regel für die zweisprachige Entwicklung unerlässlich sei. Eine Studie der Concordia University hebt hervor, dass Mütter, die oft mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, eine entscheidende Rolle bei der Sprachvermittlung spielen. Dieser Einfluss ist in Familien mit Erbsprache noch ausgeprägter, wo Mütter typischerweise für die Weitergabe der ethnischen Sprache verantwortlich sind.

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass die Strategien einer zweisprachigen Erziehung möglicherweise weniger entscheidend sind als bisher angenommen. Vielmehr sollte der Schwerpunkt auf dem praktischen Spracherwerb liegen, indem man berücksichtigt, wer tatsächlich Zeit mit dem Kind verbringt. Mütter übernehmen in vielen Fällen unabsichtlich die Rolle eines primären Sprachvorbildes, indem sie ihren Einfluss auf die Zweisprachigkeit unbewusst verstärken.

Die Folgerungen sind direkt: Anstatt sich über starre Systeme zu stressen, können Familien die Sprachvermittlung gemäß der Anwesenheit und Sprachkompetenz der Eltern planen. Dieser anpassungsfähige Ansatz unterstützt die zweisprachige Entwicklung von Kindern, ohne den Druck eines strikten Rahmens.

Das Verstehen dieser Dynamiken hilft, effektivere Richtlinien für zweisprachige Haushalte zu schaffen. Entscheidungsträger und Pädagogen sollten die Familiendynamik in Betracht ziehen, anstatt sich einzig auf festgelegte Strategien zu verlassen. Diese Flexibilität erkennt die einzigartige Rolle von Müttern an und fördert ein Umfeld, in dem beide Elternteile zur Sprachentwicklung ihrer Kinder in einer Weise beitragen können, die zu ihrem Lebensstil und ihren kulturellen Werten passt. Dieser Ansatz bietet eine humane, pragmatische Sichtweise auf die Erziehung zweisprachiger Kinder in multikulturellen Umgebungen.

Praktische Auswirkungen

Die Studie hebt entscheidende praktische Implikationen für das Aufziehen bilingualer Kinder hervor. Sie schlägt vor, dass Familien von starren Sprachstrategien abrücken und eine flexiblere Herangehensweise basierend auf ihrem Komfort und ihren Umständen annehmen sollten. Das Verständnis, dass Mütter einen größeren Einfluss auf die Sprachvermittlung haben, kann Familien dabei helfen, tägliche Interaktionen effektiver zu planen. Dies bedeutet, dass das strikte Durchsetzen einer Ein-Eltern-eine-Sprache-Regel möglicherweise weder notwendig noch ausreichend ist.

Indem Familien erkennen, dass Mütter natürlicherweise mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, können sie sicherstellen, dass die Kinder beide Sprachen ausreichend wahrnehmen. Politiker und Berater, die mit bilingualen Familien arbeiten, können diese Erkenntnisse nutzen, um maßgeschneiderte Ratschläge zu geben. Statt eine Einheitslösungsstrategie zu unterstützen, könnte es vorteilhafter sein, die Wichtigkeit der gesamten Sprachkontaktzeit zu betonen.

Darüber hinaus unterstreicht diese Forschung die Notwendigkeit, Mütter in ihrer Rolle innerhalb bilingualer Familien zu unterstützen. Programme und Richtlinien könnten sich darauf konzentrieren, Ressourcen bereitzustellen, die Müttern das Selbstvertrauen geben, beide Sprachen zu nutzen und weiterzugeben. Dies ist besonders in Familien mit Erbsprache essenziell, in denen kulturelle Faktoren Mütter zu hauptverantwortlichen Sprachvermittlern machen könnten.

Die Studie schlägt außerdem eine neue Methode vor, die Sprachaufnahme von Kindern zu berechnen - eine, die pragmatisch und in der realen Interaktion verankert ist. Diese Erkenntnis befähigt Familien, ihre Sprachstrategien an ihre individuellen Dynamiken anzupassen. Insgesamt ruft die Forschung zu einem Umdenken in der bilingualen Erziehung auf: weg von strikten Richtlinien hin zu praktischen, flexiblen Lösungen, die der gesamten Familie zugutekommen.

Die Studie wird hier veröffentlicht:

https://srcd.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/cdev.14196

und seine offizielle Zitation - einschließlich Autoren und Zeitschrift - lautet

Andrea Sander‐Montant, Rébecca Bissonnette, Krista Byers‐Heinlein. Like mother like child: Differential impact of mothers' and fathers' individual language use on bilingual language exposure. Child Development, 2024; DOI: 10.1111/cdev.14196

sowie die entsprechende Nachrichtenreferenz.

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