Robotische Kollektive: adaptiv wandelbare Materialien inspiriert von lebendem Gewebe und Embryonalentwicklung

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Durch Ernst Müller
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BerlinForscher der UC Santa Barbara und der TU Dresden haben eine neue Art von robotischem Material entwickelt, das aus kleinen Robotern besteht und wie eine intelligente Substanz agiert. Diese Materialien können sich wie lebendes Gewebe in Form und Festigkeit verändern. Unter der Leitung von Matthew Devlin nutzte das Team scheibenförmige Roboter, die sich zu unterschiedlichen Strukturen zusammenfügen. Die Roboter können, je nach Bedarf, entweder fest werden oder wie eine Flüssigkeit fließen. Diese Innovation ist inspiriert davon, wie Zellen ein Embryo formen. Jeder Roboter bewegt sich mithilfe motorisierter Zahnräder und orientiert sich mit Lichtsensoren. Magnete helfen, die Roboter zusammenzuhalten. Durch Signalfluktuationen können sie zwischen festen und flüssigen Zuständen wechseln, wobei dieser Prozess weniger Energie benötigt. Das Team hat es geschafft, Materialien zu schaffen, die schwere Lasten tragen, sich neu formen und selbst heilen können. Doch dies ist erst der Anfang: Das System kann auf mehr und kleinere Einheiten skaliert werden, um fortschrittlichere Anwendungen zu ermöglichen.

Biologische Inspiration

Eine neue Studie schöpft Inspiration aus der Natur und insbesondere aus der Art und Weise, wie lebende Organismen ihre Form gestalten. Embryos dienen als bemerkenswertes Beispiel, da sie sich während ihres Wachstums physisch verändern können. Diese Fähigkeit ist entscheidend für die Entwicklung intelligenter robotischer Materialien, die auf Abruf ihre Form und Struktur ändern können. In der Natur beinhaltet der Prozess der Formveränderung den Übergang von einem festen in einen flüssigkeitsähnlichen Zustand und wieder zurück. Dies wird durch Kräfte innerhalb der Zellen und Signale, die diese Veränderungen steuern, erreicht.

Im Rahmen der Studie setzten Forscher diese Konzepte bei einer Gruppe kleiner Roboter, die wie Zellen agieren, um. Jeder dieser Roboter kann mit anderen kommunizieren und sich koordinieren, um unterschiedliche Formen und Strukturen zu bilden. Sie nutzen Licht und Magnete, um die Art und Weise zu ändern, wie sie sich verknüpfen und bewegen. Dadurch sind sie in der Lage, sowohl solide, stabile Formationen als auch flüssige, flexible zu erschaffen. Die Fähigkeit, die Interaktionsweise zu regulieren, ermöglicht es diesen Robotern, wie intelligente Materialien zu agieren.

Der Durchbruch liegt darin, dass die Roboter nur dann Energie verbrauchen, wenn sie ihre Form verändern müssen, ähnlich wie es in natürlichen Systemen der Fall ist. Indem sie diese biologischen Prozesse nachahmen, zeigt die Forschung einen Weg auf, wie Roboter weniger Energie benötigen könnten. Dies könnte zur Entwicklung effizienterer, anpassungsfähigerer Materialien führen, die sogar in der Lage sind, sich selbst zu reparieren. Die Erkenntnisse fördern nicht nur die Robotik, sondern eröffnen auch neue Studienfelder in der Biologie und Materialwissenschaft. Dieser naturinspirierte Ansatz könnte unsere Denkweise über Konstruktionen von Materialien und robotischen Systemen revolutionieren.

Zukünftige Forschungsrichtungen

Eine aktuelle Studie über robotische Kollektive, die als intelligente Materialien agieren, eröffnet spannende Wege für die zukünftige Forschung. Ein entscheidender Bereich, der weiter erforscht werden sollte, ist die Skalierbarkeit. Das gegenwärtige System verwendet eine kleine Anzahl größerer Einheiten. Zukünftige Forschungen könnten sich darauf konzentrieren, diese Roboter zu miniaturisieren und ihre Anzahl zu erhöhen, sodass das System den Eigenschaften echter Materialien näherkommt. Dies könnte möglicherweise zu Anwendungen führen, bei denen Materialien in Echtzeit ihre Form und Stärke verändern, ähnlich wie lebende Gewebe.

Ein weiterer vielversprechender Ansatz ist die Integration von maschinellem Lernen in diese robotischen Systeme. Maschinelles Lernen könnte die Kommunikation und Funktion dieser Roboter optimieren, sodass sie sich besser an verschiedene Umgebungen oder Aufgaben anpassen. Besonders nützlich könnte dies in Situationen sein, in denen Roboter komplexe, koordinierte Aktionen auf großen Flächen oder in unbekannten Umgebungen ausführen müssen.

Darüber hinaus könnte das Verständnis von Phasenübergängen in dieser „robotischen Materie“ wertvolle Einblicke in natürliche Phänomene bieten. Forschende könnten bedeutende Erkenntnisse darüber gewinnen, wie lebende Systeme, wie etwa Embryonen, sich bilden und anpassen. Dies würde nicht nur die Robotik, sondern auch die Biowissenschaften beeinflussen.

Nicht zuletzt ist die Verbesserung der Energieeffizienz dieser robotischen Systeme entscheidend für ihre praktische Anwendbarkeit. Erste Ergebnisse deuten bereits darauf hin, dass Signalfluktuationen den Energiebedarf senken können. Künftige Studien könnten diesen Ansatz verfeinern und roboterartige Materialien für den Einsatz in energetisch eingeschränkten Umgebungen wie Weltraummissionen oder entlegenen Erkundungen tauglich machen.

Diese potenziellen Forschungsrichtungen könnten nicht nur die Fähigkeiten von robotischen Kollektiven verbessern, sondern auch ihre praktischen Anwendungen in verschiedenen Bereichen erweitern – und möglicherweise zu Innovationen führen, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.

Die Studie wird hier veröffentlicht:

https://www.science.org/doi/10.1126/science.ads7942

und seine offizielle Zitation - einschließlich Autoren und Zeitschrift - lautet

Matthew R. Devlin, Sangwoo Kim, Otger Campàs, Elliot W. Hawkes. Material-like robotic collectives with spatiotemporal control of strength and shape. Science, 2025; 387 (6736): 880 DOI: 10.1126/science.ads7942

sowie die entsprechende Nachrichtenreferenz.

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